Voice Search: SEA Revolution?

,,Alexa, kannst du Zahnpasta empfehlen?” Und jetzt stell dir vor: Die ersten drei Suchergebnisse sind die Gewinner in der Auktion, um die besten Werbeplätze. Genau so wie es heute bei der Google-Suche schon komplett normal geworden ist.

Das ist keine ferne Zukunftsvision, dies kann schon bald Realität werden. Denn mit Alexa und der mittlerweile weiten Verbreitung von Echodot-Endgeräten, ist Amazon auf dem besten Weg Vorreiter von Voice Search zu werden.

Laut einer Amazon Pressemitteilung am 26.12. war Weihnachten für Amazon und die dazugehörigen Alexa-Produkte ein wahrer Segen. Unter sehr vielen Weihnachtsbäumen lagen die alexafähigen Endgeräte, sodass das Online-Magazin omr.com berechtigt titelt “Kommt Amazon Alexa jetzt im Mainstream an?”
Dafür sprechen auch die Downloadzahlen der Applikationen, die zur Steuerung von Alexa dienen. In den USA, Großbritannien und auch Deutschland landete diese in der Nach-Weihnachtszeit auf Platz eins der App-Stores (außer Deutschland: Platz 4 im iOs App-Store). Laut omr.com wurde allein in der Woche nach Heilig Abend die Alexa App über 1.5 Millionen mal heruntergeladen (das Online-Magazin beruft sich hierbei auf Daten des App-Analytics-Herstellers prioridata). Seit 2014 wurde die App weltweit auf 9.9 Mio. Android- und 9.6 Mio. iOs-Geräten gedownloaded. Mit Kampfpreisen von ~36€ für Echodot-Produkte erkauft sich Amazon wettbewerbsrelevante Marktanteile und platziert sich weltweit als dominanter Player. Bereits anfang Dezember schätze der Economist Amazons Gesamtanteil an den bisher verkaufen “Smart Speakern” auf 75%.

Laut CNBC dominiert Amazon zwar das e-Commerce Segment, liegt jedoch bei den Werbeeinnahmen weit hinter den Konkurrenten Google und Facebook. Bisher verdient Amazon seine Werbeeinnahmen hauptsächlich durch ,sponsored links’, doch mit Voice Search kann sich das Blatt schnell wenden.

 

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Amazon soll Berichten zufolge bereits in Gesprächen mit Procter & Gamble und Clorox stehen, um Möglichkeiten auszuloten Alexa durch Werbemaßnahmen zu monetarisieren. So können auf Basis des Kaufverhaltens des Nutzers gezielt Produkte hervorgehoben werden und auf andere Produkte von Marken hingewiesen werden.
Auch Werbung unabhängig vom Kaufverhalten des einzelnen Users ist möglich. CNBC beschreibt folgendes Beispiel: Bittet ein User Alexa darum Zahnpasta zu bestellen, dann ist die Antwort der amerikanischen Alexas schon heute “Okay, I can look for a brand, like Colgate. What would you like?”. Auch die deutsche Alexa empfiehlt Colgate, wenn sie nach Zahnpasta gefragt wird. Hier stellt sich nun die Frage, ob Colgate die beliebteste Zahnpasta auf Amazon ist oder bereits jetzt schon gezielte Produktwerbung dahinter steht.

Auffällig ist, dass sich auch die Struktur der Suchanfragen verändert. Tippen Nutzer in Suchmaschinen häufig nur Schlagwörter ein (Zahnpasta kaufen), stellt man digitalen Assistenten vollständige Fragen (“Alexa, welche Zahnpasta kannst du empfehlen?”). Google erfasst in seiner Suche bereits solche Fragen, doch wird dies noch nachhaltigen Einfluss auf Suchalgorithmen und Contentstrukturen nehmen.

Laut searchengineland.com prophezeit comScore, dass bis 2020 Voice Search einen Anteil von 50% aller Suchanfragen ausmachen wird. Gründe dafür sind die wachsende Präzision in der Sprachsteuerung und die wesentlich schnellere und bequemere verbale Dateneingabe als die haptische Variante durch langsames und mühseliges Tippen per z.B. Smartphone-Tastatur. Zusätzlich besitzen immer mehr Smart-Objekte gar keine Tastatur, wie Kühlschränke oder Autos. Die Hemmschwelle mit digitalen Assistenten wie Alexa zu kommunizieren, auch in der Öffentlichkeit, sinkt immer weiter. In Zeiten, wo sich mehr und mehr Menschen auf offener Straße für ihre Instagram-Story filmen und mit ihrem Handy sprechen oder Whatsapp-Sprachnachrichten in der Öffentlichkeit einsprechen und anhören, gehört die Interaktion mit digitalen Medien zum Stadtbild.

 

 

Auch auf Industrieseite gewinnt Amazon an Land. Durch die starke Marktdurchdringung hat die Alexa-Software branchenübergreifend das Potenzial zur Standard-Integration. BMW will bereits Mitte des Jahres die Sprachintegration in seinen neuen Fahrzeugen implementieren. Hyatt arbeitet an einem Konzept eines Smart-Concierge-Services für alle Räume über sprachgesteuerte, digitale Assistenten. Golem.de listet gefühlt ein kleines Herstellerverzeichnis an Unternehmen auf, die auf der diesjährigen CES bereits Produkte mit Alexa-Integration vorgestellt haben. Die Bandbreite reicht schon jetzt von Backöfen, Uhren, Kopfhörer bis hin zu Brillen.

Quellen: omr.com, CNBC, SearchEngineLand, Venturebeat, Golem, Giphy, Unsplash